Die Flaschen tauchten zuerst auf – eine war in der Hecke verkeilt, eine andere glitzerte schwach vom Grund des Pools. Arthur Caldwell fischte sie lautlos heraus und legte sie mit einem Stirnrunzeln beiseite, seine Hände rochen nach Chlor und abgestandenem Bier. Jede Entdeckung drückte schwerer auf seine Brust, eine Erinnerung daran, dass jemand hier gewesen war, als er nicht hier war.
Keine Gesichter, keine Stimmen – nur der Beigeschmack des Eindringens. Der Pool, der einst sein Zufluchtsort gewesen war, schien nun unruhig zu sein und kleine, aber unbestreitbare Zeichen von Fremden zu tragen. Arthur suchte nach Erklärungen, die einen Sinn ergaben: vorbeigehende Kinder, Landstreicher, die durch den Garten streiften, unvorsichtige Besucher, die er nie bemerkt hatte. Aber keine von ihnen blieb in seinem Gedächtnis haften.
Jetzt stand er am Ufer, der chemische Geruch hing in der Luft, und beobachtete, wie sich die wolkenverhangene Oberfläche schwach im Wind kräuselte. Er war ein Lehrer gewesen, ein Ehemann, ein Mann, der nach Regeln und Ordnung lebte. Aber hier, in dem Heiligtum, das seine Frau geliebt hatte, fühlte er sich machtlos – reduziert auf einen müden alten Mann, der sich nicht sicher war, wer seinen ruhigen Platz als seinen eigenen beansprucht hatte.
Arthur Caldwell hatte sich an die Stille gewöhnt. Sein Haus, das einst durch das leise Schlurfen der Hausschuhe seiner Frau und das schwache Summen ihres Lieblingssenders belebt worden war, hallte nun von den kleinen Geräuschen wider, die er machte, um die Leere zu füllen.

Das Geräusch von Besteck auf Porzellan, das Zischen des Wasserkochers, das gleichmäßige Klicken von Schuhen auf der Terrasse. Seine Tage waren wohlüberlegt. Als pensionierter Chemielehrer fand er einen Sinn in der Pflege: der Rosen, die sie gepflanzt hatte, des Eichengeländers, das sie bewundert hatte, und vor allem des Pools, den sie gehegt und gepflegt hatte.
Jeden Morgen testete er das Wasser, las den pH-Wert genau ab und glättete die Oberfläche, bis sie wie Glas glänzte. Es war nicht nur Instandhaltung. Es war eine Erinnerung. Jede klare Reflektion erinnerte ihn an ihr Lächeln, an die Abende, an denen sie unter den Sternen schwebte, an die Morgen, an denen sie ihn vor dem Frühstück zu ein paar Runden überredet hatte.

Aber wenn Arthur sich nicht um das Haus kümmerte, fand er seinen Frieden am Fluss. Das Angeln war schon immer seine stille Zuflucht gewesen. Mit Angel und Thermoskanne in der Hand konnte er stundenlang dem Wasser lauschen, so geduldig, wie es nur das Alter und die Einsamkeit erlaubten.
Der Fang war kaum von Bedeutung. Die Stille zählte. Auf einem dieser Angelausflüge bemerkte Arthur zum ersten Mal die Neuankömmlinge. Als er in die Nachbarschaft zurückfuhr, war sein Garten noch feucht von der Nachmittagssonne, und nebenan blockierte ein Umzugswagen die Einfahrt.

Auf dem Rasen stapelten sich Kisten, aus einem Lautsprecher tönte Musik, und Stimmen drangen über die Hecke. Arthur hielt auf seiner Veranda inne und beobachtete. Die neue Familie war laut, ihre Bewegungen zügig und sorglos, ihr Lachen schrill im Gegensatz zum Summen der Sommerluft.
Als er verweilte, sah er, wie die Nachbarin zu seinem Pool blickte. Ihr Blick verweilte auf dem Wasser, fast abschätzend, bevor sie sich wieder den Kisten zuwandte. Das beunruhigte ihn auf eine Weise, die er nicht benennen konnte. Dennoch, Höflichkeit war wichtig.

Er überquerte den Rasen und hob eine Hand zum Gruß. “Hallo. Ich bin Arthur Caldwell. Herzlich willkommen.” Der Ehemann blickte kaum auf. “Ja”, murmelte er, den Blick auf sein Telefon gerichtet. Die Frau würdigte ihn keines Blickes.
Arthur wartete noch einen Moment, dann nickte er steif und ging zurück zu seinem Haus. Der Stich war klein, aber echt. Nachbarn tauschten einst Brot, Rezepte, die Wärme des Kennenlernens. Diese hatten sich nicht einmal die Mühe von Worten gemacht.

Er redete sich ein, dass das nicht wichtig war. Manche Leute waren nicht nachbarschaftlich. Er hatte seine Rosen, seinen Pool, sein Angeln. Das war genug. Am nächsten Morgen machte sich Arthur früh auf den Weg zum Fluss. Die Stunden vergingen wie im Flug, die Leine schwankte, der Tee kühlte in der Thermoskanne.
Für eine Weile vergaß er die Stille im Haus, vergaß die Nachbarn, verlor sich im gleichmäßigen Rhythmus von Wasser und Warten. Als er am Nachmittag zurückkehrte, verfiel er wieder in seine Routine. Er machte sich Tee, las die Zeitung und ging nach draußen, um den Pool zu testen.

Auf den ersten Blick schien alles in Ordnung zu sein. Das Wasser kräuselte sich sanft, das Sonnenlicht warf seinen üblichen Schimmer. Er strich über die Oberfläche, prüfte den Chlorgehalt und ging wieder hinein. Doch in den folgenden Tagen veränderte sich etwas.
Als er von seinen Angelausflügen zurückkehrte, fielen ihm Details auf, die er nicht ignorieren konnte. Ein Stuhl, der ein wenig aus der Fassung geraten war. Ein nasser Fußabdruck, der auf dem Stein der Veranda trocknete. Ein schwacher, fettiger Schimmer auf dem Wasser, als wäre Sonnencreme in das Wasser gespült worden.

Dann kamen die Flaschen. Eine an der Hecke. Eine andere versank auf dem Grund des Pools und glitzerte zu ihm hinauf wie eine stumme Aufforderung. Arthur fischte sie mit dem Netz heraus, und sein Herz sank, als er sie auf der Terrasse abstellte. Er hatte nie jemanden gesehen.
Nicht ein einziges Mal. Aber die Anzeichen ließen sich immer schwerer ignorieren. Und langsam schlich sich ein Gedanke in seinen Kopf, der ihm die Brust zuschnürte: Wenn er weg war, war jemand hier. Arthur begann, seine Angeltouren zu verkürzen.

Zuerst war es nur eine Stunde weniger, dann ein halber Vormittag, bis er schließlich ganz aufhörte. Er redete sich ein, dass es am Alter lag, dass der Weg zum Fluss länger wurde, die Sonne heißer. Aber die Wahrheit nagte an ihm: Er konnte sich nicht entspannen, weil er wusste, dass jemand den Pool benutzen könnte, während er weg war.
Er schaute immer öfter aus dem Fenster und spitzte die Ohren bei den leisesten Geräuschen. Jedes Mal, wenn er nachts mit seiner Taschenlampe über den Hof leuchtete, verhöhnten ihn die Hecken und das stille Wasser mit ihrer Stille.

Doch am nächsten Tag tauchten neue Anzeichen auf: ein Schlammfleck auf den Fliesen, ein feucht an den Abfluss geklebtes Paket. Das machte ihn ruhelos, ein Gefangener in seinem eigenen Haus. Dann, eines Nachmittags, fand er etwas anderes. Über einen Terrassenstuhl war ein T-Shirt drapiert, von der Sonne ausgebleicht und vom Chlor feucht.
Arthur erstarrte und starrte es an. Das war nicht wie die Flaschen oder Verpackungen, die eingeblasen worden sein könnten. Das hier war persönlich, absichtlich. Jemand war hier gewesen und hatte sich wohl genug gefühlt, um ein Stück von sich selbst zurückzulassen.

Er nahm es nicht mit hinein. Stattdessen legte er das Hemd über die Rückenlehne des Stuhls, auf dem es gelegen hatte, und hoffte, dass derjenige, der es zurückgelassen hatte, es wieder holen würde. Vielleicht würden sie den Stachel spüren, dass sie bemerkt wurden. Vielleicht würden sie aufhören.
Am nächsten Tag war das Hemd verschwunden. Arthur sagte sich, dass derjenige, der es zurückgelassen hatte, vielleicht einfach zurückgekommen war, um es zu holen. Vielleicht gehörte es einem vorbeigehenden Teenager oder jemandem, der durch den Hof ging und sich schämte, es in der Nacht heimlich mitzunehmen.

Er wollte glauben, dass es noch eine harmlose Erklärung gab. Aber als er ein paar Tage später aus dem Küchenfenster schaute, sah er den Mann von nebenan in der Einfahrt stehen und sich gähnend strecken. Er trug das Hemd.
Dasselbe, das Arthur über seinem Terrassenstuhl drapiert gefunden hatte, feucht von Chlor und Sonnenlicht. Arthurs Atem blieb ihm im Hals stecken. Alle Zweifel, an die er sich geklammert hatte, alle Ausreden, die er sich ausgedacht hatte, waren verschwunden. Er wusste es jetzt.

Arthur wartete bis zum nächsten Nachmittag, um sich den beiden zu nähern, eine Flasche in der Hand – eine der vielen, die er in der Hecke und am Pool gesammelt hatte. Das Paar saß auf seiner Veranda, Musik dröhnte aus einem Lautsprecher, ihr Lachen klang zu schrill in der Nachmittagsluft.
Er räusperte sich. “Entschuldigen Sie”, sagte er und hielt die Flasche hoch. “Ich finde die immer wieder in meinem Garten. Im Pool. Die Pumpe ist seit letzter Woche verstopft, und es fällt mir nicht mehr leicht, damit Schritt zu halten. Könntest du dich bitte vom Pool fernhalten? Oder sagen Sie es mir wenigstens vorher?”

Der Ehemann schaute auf die Flasche, dann wieder auf Arthur und schmunzelte. “Was soll das denn heißen? Glaubst du, wir haben Zeit, um in deinem Pool herumzuspielen?” Arthurs Blick glitt zu dem Hemd, das über seiner Brust hing. “Das habe ich in meinem Garten zurückgelassen.”
Die Frau spottete und verschränkte die Arme. “Das bildest du dir nur ein. Hier kommen dauernd Leute vorbei. Vielleicht waren es Kinder. Komm nicht hierher und gib uns die Schuld, nur weil du dich nicht um deinen Pool kümmern kannst.”

Arthurs Kiefer spannte sich an. Er stand da, die Flasche tropfend in der Hand, die Worte zwischen Wut und Erschöpfung gefangen. Er dachte an seine Frau, an das Wasser, das sie so geliebt hatte, und daran, wie sich jede unbedachte Verweigerung wie ein weiterer Riss in ihrer Erinnerung anfühlte.
Schließlich nickte er knapp und ging davon, die Vergeblichkeit drückte wie eine Last auf seine Schultern. Arthur ging langsam über seinen Rasen zurück, wobei jeder Schritt schwerer fiel als der letzte. Die Flasche hing noch immer in seiner Hand, kalt und feucht, obwohl er schon fast vergessen hatte, dass er sie in der Hand hielt.

Ihre Worte wiederholten sich in seinem Kopf, schärfer mit jedem Echo: Komm nicht hierher und gib uns die Schuld. Vielleicht waren es Kinder. Es war nicht nur Verleugnung. Es war Ablehnung. Sie hatten ihn nicht als Nachbarn oder gar als einen Mann angesehen, der Respekt verdiente, sondern als ein altes Ärgernis, das man beiseite schieben konnte.
Ihr Lachen kehrte fast sofort zurück, nachdem er weggegangen war, jetzt lauter, als ob sie sich über seinen Versuch der Würde lustig machten. Drinnen stellte Arthur die Flasche auf dem Tresen ab. Er wusch sich die Hände und schrubbte sie stärker als nötig, als ob ihre Worte auf seiner Haut haften geblieben wären.

Lange stand er in der Küche und starrte durch die Glasscheibe auf den Pool hinaus. Das Wasser bewegte sich in der Brise und trug einen schwachen Dunst mit sich, der vorher nicht da gewesen war. Er dachte daran, die Polizei zu rufen, aber er wusste schon, wie das ausgehen würde.
Mit nichts als Fußabdrücken, Flaschen und seinem eigenen Wort würden sie mit den Schultern zucken, vielleicht jemanden zu einem höflichen Gespräch vorbeischicken. Es würde nichts ändern. Nicht wirklich. Also beschloss er, zuzusehen. In dieser Nacht saß Arthur am Küchenfenster, das Licht ausgeschaltet, eine Tasse Tee kühlte neben ihm.

Der Pool lag im stillen Mondlicht, glasig und geduldig. Er versuchte, sich wach zu halten, schaute jede Stunde auf die Uhr und lauschte auf das leiseste Geräusch jenseits der Mauern. Aber das Alter zerrte an ihm, und als er sich schließlich dem Bett hingab, sagte er sich, dass sie vielleicht fertig waren.
Vielleicht war die Botschaft angekommen. Am nächsten Morgen fiel ihm der Magen um. Auf dem Grund des Pools, der durch das trübe Wasser schwach schimmerte, lag eine weitere Flasche. Unverfroren, wie eine Visitenkarte dort zurückgelassen.

Arthur holte das Netz, ließ es ins Wasser gleiten und zog die Flasche heraus, die glitschig vom Chlor war. Seine Hände zitterten – dieses Mal nicht vor Alter, sondern vor etwas, das eher an Wut erinnerte. Arthur zögerte, bevor er den Schuppen öffnete.
So sehr sich der Gedanke, das Wasser zu bleichen, als einzige Möglichkeit anfühlte, so sehr wusste er, dass er nicht handeln konnte, ohne wenigstens vorher etwas zu sagen. Er war kein grausamer Mensch. Er hatte sein ganzes Leben damit verbracht, Regeln, Sicherheit und Verantwortung zu lehren.

Selbst jetzt wollte er glauben, dass Höflichkeit noch etwas zählte. Also überquerte er den Rasen und klopfte leise an die Tür seiner Nachbarn. Der Mann lehnte sich gegen den Türrahmen, die Frau stand mit verschränkten Armen direkt hinter ihm.
Arthurs Stimme war ruhig, fast beiläufig. “Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich meinen Pool reinigen werde. Das Wasser ist schmutzig geworden. Ich werde die Pumpe für eine Weile abschalten und stärkere Chemikalien verwenden, um es auszugleichen.”

“Wenn du den Pool nicht benutzt hast, geht dich das nichts an, aber ich dachte, ich sollte dich vorwarnen.” Der Ehemann verdrehte die Augen. “Warum erzählen Sie uns das?” Arthur räusperte sich. “Weil, falls sich jemand entschließen sollte, den Pool zu benutzen, es danach nicht mehr sicher für ihn wäre.”
Die Frau schnaubte. “Alter Mann, wir haben dir schon gesagt, dass uns dein Pool egal ist. Hör auf, uns damit zu belästigen. Wenn du ihn nicht sauber halten kannst, ist das dein Problem.” Arthur nickte einmal, das Gewicht der Vergeblichkeit schwer in seiner Brust.

“Nun gut”, sagte er leise und drehte sich über das Gras zurück. Hinter ihm ertönten sofort ihre Stimmen, ein schrilles, abschätziges Lachen, als wäre seine Anwesenheit nur eine kurze Unterbrechung gewesen.
In dieser Nacht, in der ihr Spott noch in seinem Kopf nachhallte, öffnete Arthur den Schuppen. Der schwache chemische Geruch begrüßte ihn wie einen alten Kollegen. Er holte den Eimer mit Chlorgranulat und die Flaschen mit Haushaltsbleichmittel heraus und reihte sie fein säuberlich auf den Terrassensteinen auf.

Seine Hände zitterten nicht, aber seine Brust fühlte sich eng an. Er dosierte sorgfältig, aber schwerer als sonst. Das Granulat verteilte sich auf der Oberfläche und löste sich in blassen Bändern auf, die sich in die Tiefe schlängelten.
Die Bleiche folgte in dicken Flüssigkeitsströmen, die sich zu wolkigen Bahnen schlängelten und sich unter dem Summen der Pumpe schnell ausbreiteten. Innerhalb weniger Minuten hing der scharfe, beißende Geruch in der Luft und brannte ihm in Augen und Nase. Arthur stand da und sah zu, wie sich das Wasser in einen seltsamen, schaumigen Schleier verwandelte.

Es sah nicht mehr wie der Pool aus, den seine Frau geliebt hatte. Die gläserne Oberfläche, auf der sie geschwommen war, war verschwunden, ebenso wie der Schimmer der Klarheit, der ihn an ihr Lächeln erinnerte. An ihre Stelle trat etwas Hartes, Chemisches, fast Feindliches. Einen Moment lang überkamen ihn Zweifel.
War das zu viel? Hätte sie ihn dafür gescholten, ihm gesagt, er würde überreagieren? Er flüsterte in die Nacht, als ob sie noch zuhören könnte. “Ich habe sie gewarnt. Das habe ich. Wenn sie jetzt reingehen, ist das ihre Entscheidung, nicht meine.”

Er rieb seine Hände an seiner Hose, unruhig. Er wusste, was Bleiche und Chlor anrichten konnten – sie zerrissen den Stoff, machten das Haar spröde und blass. Nicht tödlich, es sei denn, jemand wäre leichtsinnig genug, es zu trinken, aber grausam genug, um Flecken zu hinterlassen. Er hatte keine Grausamkeit gewollt. Er wollte nur Frieden.
Aber der Frieden war ihm verwehrt worden. Jedes höfliche Wort wurde ignoriert, jedes Flehen beiseite geschoben. Er sagte es sich erneut, diesmal mit mehr Nachdruck: “Ich habe getan, was ich konnte. Wenn sie die Warnung nicht respektieren, ist es ihre Schuld.” Noch lange, nachdem er hätte hineingehen sollen, verweilte Arthur auf der Terrasse.

Er setzte sich auf den Stuhl, auf dem sie sich in der Sonne die Haare zu trocknen pflegte, und starrte auf das unruhige Wasser, während die Pumpe summte. Der Geruch von Bleichmittel hing schwer in der Nachtluft. Schließlich flüsterte er ihrem Andenken erschöpft eine gute Nacht zu und ging ins Haus, wobei das Echo seiner eigenen Schritte das einzige Geräusch im Haus blieb.
Arthur wachte früher als sonst auf, als das schwache Licht der Morgendämmerung durch die Vorhänge schlich. Einen Moment lang lag er still und lauschte dem leisen Summen des Hauses. Dann riss ihn die Erinnerung an das, was er getan hatte, aus dem Bett. Er zog sich schnell an, kochte sich einen Tee, den er kaum angerührt hatte, und trat auf die Terrasse hinaus.

Der Pool empfing ihn mit einem strengen, neuen Geruch. Selbst in der kühlen Morgenluft blieb ihm der Geruch von Chlor und Bleiche im Hals stecken, so scharf, dass er in der Nase stach. Das Wasser selbst sah seltsam aus, als gehöre es nicht mehr in seinen Garten – undurchsichtig, unruhig, mit schwachen Blasen, die an der Oberfläche klebten, wo die Pumpe noch immer rührte.
Arthur stand am Rand und umklammerte die Stange des Skimmers wie einen Stab. Er redete sich wieder ein, dass es notwendig war. Dass er gewarnt hatte. Dass er alles getan hatte, was ein vernünftiger Mensch tun konnte. Trotzdem drehte sich ihm der Magen um.

Er konnte sich vorstellen, wie sie wieder hineinschlüpften, sorglos und lachend, ohne zu wissen, was das Wasser ihnen nehmen würde. Die Stunden vergingen langsam. Arthur ertappte sich dabei, dass er jedes Mal, wenn er hineinging, aus dem Fenster schaute, unfähig, sich auf das aufgeschlagene Buch in seinem Schoß oder den Tee, der neben seinem Stuhl kühlte, zu konzentrieren.
Am Vormittag ging er im Haus auf und ab und lauschte auf die Geräusche hinter der Hecke. Bei jedem Lachen, das die Brise herüberwehte, zog sich seine Brust zusammen. Gegen Mittag war er sicher, dass es passiert war. Die Musik der Nachbarn war lauter als sonst, ihre Stimmen erhoben sich, scharf und hitzig.

Mit klopfendem Herzen trat er ans Fenster und sah sie in der Einfahrt. Zuerst blinzelte er, weil er sicher war, dass seine Augen ihn täuschten. Aber nein – das einst dunkle Haar des Mannes war von ungleichmäßigen blonden Flecken durchzogen, die in der Sonne grell leuchteten.
Der Frau erging es nicht besser. Ihr Haar war ein Wirrwarr aus Orange und Gelb, ein chemisches Durcheinander, das vor ihrem wütenden Gesicht zu leuchten schien. Arthur presste seine Handfläche gegen das Glas, der Atem blieb ihm im Hals stecken.

Sie waren hineingegangen. Trotz all seiner Warnungen, trotz all seiner Bemühungen, genau diesen Moment zu vermeiden, waren sie trotzdem hineingegangen. Und jetzt hatte das Wasser sie unübersehbar gezeichnet. Es klopfte heftig, dreimal kurz hintereinander, und der Rahmen rasselte.
Noch bevor Arthur die Tür erreichen konnte, folgten die Stimmen – wütend, laut, nicht zu überhören. Langsam öffnete er die Tür und fand seine Nachbarn auf der Treppe, die Gesichter vor Wut verzogen, ihr zerstörtes Haar leuchtete im Sonnenlicht wie ein grausamer Scherz.

“Schauen Sie sich das an”, schnauzte die Frau und fuhr sich mit dem Finger durch ihr strähniges Haar. “Was zum Teufel hast du in diesen Pool getan?” Arthur sagte zunächst nichts, seine Augen wanderten von ihr zu dem Mann, dessen dunkles Haar sich in ungleichmäßige blonde Flecken verwandelt hatte.
Der Anblick hätte komisch wirken können, wäre da nicht ihre Wut gewesen. “Du wolltest uns vergiften”, schrie der Ehemann. “Habt ihr eine Ahnung, was ihr getan habt?” Arthur hielt ihren Blicken stand, ruhig, aber schwer. “Ich habe euch gesagt, dass ich den Pool gereinigt habe.

Ich habe euch gewarnt, dass das Wasser nicht sicher ist. Wenn ihr danach hineingegangen seid, dann habt ihr euch das selbst zuzuschreiben.” Die Frau stieß ein raues Lachen aus. “Findest du das lustig? Glaubt ihr, ihr könnt da einfach reinschütten, was ihr wollt, und damit davonkommen? Wir rufen die Bullen.”
“Bitte tun Sie das”, sagte Arthur leise und ging zurück in sein Haus. Minuten später fuhr der Streifenwagen vor, die Scheinwerfer blinkten gegen die Hecke. Die Nachbarn stürmten nach vorne, die Stimmen wurden lauter, sie warfen den Beamten ihre befleckten Haare entgegen wie ein vernichtendes Beweisstück.

“Er hat Bleiche in den Pool geschüttet – sieh uns an!” “Er ist gefährlich! Er will uns etwas antun!” Die Beamten wandten sich an Arthur, der ruhig am Tor stand. “Sir, möchten Sie uns erklären, was hier vor sich geht?”, fragte einer vorsichtig. Arthur nickte.
In seiner Stimme lag das ruhige Gewicht eines Mannes, der sein ganzes Leben lang Regeln gelehrt hatte. “Das Wasser war schmutzig. Die Pumpe war mit Abfällen verstopft. Ich habe sie gewarnt, dass ich den Pool schockieren würde und dass es nicht sicher wäre. Aber sie sind trotzdem hineingegangen.”

Die Beamten sahen sich gegenseitig an, die Nachbarn stotterten, Arthur blieb ruhig und unbeweglich. Schließlich fragte einer der Beamten: “Hat er Sie gewarnt?” Die Frau zögerte, dann schnappte sie zu: “Er ist besessen von diesem Pool. Er belästigt uns ständig damit.
Er erwähnte, dass der Pool schmutzig sei – wir dachten, er würde nur herumschwafeln.” Arthur faltete die Hände. “Du gibst also zu, dass du hineingegangen bist.” Es herrschte Schweigen, das nur durch das Brummen des Streifenwagens unterbrochen wurde. Die Beamten tauschten einen Blick aus, dann seufzten sie.

“Unerlaubtes Betreten ist immer noch unerlaubtes Betreten. Sie wurden gewarnt. Er hat jedes Recht, seinen Pool zu behandeln.” Die Nachbarn protestierten lautstark, aber die Worte waren jetzt hohl, und ihr gefärbtes Haar verriet jedes Leugnen. Arthur stand ruhig da, der schwache chemische Geruch stieg noch immer aus dem Wasser hinter ihm auf.
Die Stimme der Frau überschlug sich vor Wut. “Du verstehst nicht – wo wir herkommen, teilen sich die Nachbarn alles. Pools, Gärten, Mahlzeiten. So sollte es eigentlich sein. Wir dachten, wir wären hier willkommen.” Sie stieß Arthur mit dem Finger an, ihre Worte wurden schneller und schärfer.

“Und jetzt sieh uns an! Er hat uns gedemütigt!” Der Ehemann legte nach, sein Tonfall steigerte sich fast zu einem Wimmern. “Wir haben niemandem etwas getan. Er ist ein alter Mann, der zu viel Zeit hat, und jetzt hat er uns vergiftet, nur weil wir Wasser benutzt haben, in dem er nicht einmal war.”
Die Beamten bewegten sich unbehaglich, aber ihre Mienen blieben fest. Einer von ihnen hob eine Hand. “Sie haben zugegeben, dass Sie sein Grundstück ohne Erlaubnis betreten haben. Das ist Hausfriedensbruch, egal wie Sie es drehen und wenden. Und er hat Ihnen gesagt, dass er den Pool vorher reinigen würde. Das ist nicht seine Schuld.”

Arthur trat schließlich vor. Seine Stimme war tief und fest, jedes Wort wohlüberlegt. “Du hast nicht zu entscheiden, was mir gehört. Meine Frau hat diesen Pool geliebt. Ich habe ihn jeden Tag sauber gehalten, seit sie gestorben ist. Und Sie”, seine Augen verengten sich und fixierten sie beide, “haben ihn in Ihren Spielplatz verwandelt. Ich habe höflich darum gebeten. Ich habe dich gewarnt. Und trotzdem habt ihr gelogen und gelacht, während ich hinter euch aufgeräumt habe.”
Die Nachbarn zuckten zusammen, sagten aber nichts. Ihre Tapferkeit geriet unter seinem Blick ins Wanken. Der Beamte neben ihm räusperte sich. “Das ist Ihre letzte Warnung. Bleiben Sie von seinem Grundstück weg. Wenn Sie es noch einmal betreten, werden Sie angeklagt.”

Das Paar stotterte, murmelte etwas vor sich hin und wandte sich dann wieder ihrem Haus zu, wobei ihr grelles, fleckiges Haar in der Nachmittagssonne leuchtete. Arthur blieb am Tor stehen, bis ihre Stimmen hinter der Hecke verschwanden.
Erst dann trat er zurück auf seine Terrasse, den Pool leise hinter sich. Der chemische Geruch hing noch in der Luft, aber zum ersten Mal seit Wochen fühlte sich die Stille wieder wie die seine an – nicht leer, nicht schwer, sondern verdient.

An diesem Abend war es wieder still im Haus. Arthur ging langsam auf der Terrasse umher, spülte den Skimmer, überprüfte die Pumpe, maß das Gleichgewicht des Wassers. Der herbe Biss des Bleichmittels hatte bereits nachgelassen, und der Pool wurde wieder klar und erkennbar. Er tauchte eine Hand ins Wasser und spürte, wie die kühlen Wellen über seine Haut glitten.
Zum ersten Mal seit Wochen gab es keine Verpackungen, keine Flaschen, keine Fußabdrücke. Nur das Becken, ruhig und gehorsam, wartete auf seine Pflege. Er legte den Chemiebaukasten beiseite und setzte sich auf den Stuhl, den seine Frau nach dem Schwimmen zu beanspruchen pflegte.

Die untergehende Sonne spiegelte das Wasser und ließ seine Oberfläche glühen, und einen Moment lang sah es fast so aus wie damals, als sie hier war. Arthur lehnte sich zurück und schloss die Augen. “Es ist wieder sauber”, flüsterte er, als ob sie ihn noch hören könnte.
Seine Stimme schwankte, aber sie beruhigte sich, als er hinzufügte: “Ich habe mein Versprechen gehalten.” Die Stille, die ihm antwortete, war dieses Mal sanft, nicht hohl, sondern ganz. Und in dieser Stille, als der Pool wieder in Ordnung war, spürte Arthur endlich, wie die Last von ihm abfiel.
